Vier Sätze im Klartext
Die folgenden drei Sätze stammen aus echten Zeugnissen, sind alle höflich formuliert und enthalten kein einziges negatives Wort. Trotzdem sagt jeder von ihnen etwas anderes, als er auf den ersten Blick verspricht.
Beispiel Leistungsteil
«Herr Hämmerli erledigte die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit.»
Die Zufriedenheitsformel steht hier ohne Verstärker. «Zu unserer Zufriedenheit» ist die unterste der vier gebräuchlichen Stufen und entspricht einem ausreichenden Ergebnis. Erst «stets zu unserer vollen» oder «stets zu unserer vollsten Zufriedenheit» beschreibt gute und sehr gute Leistung. Entscheidend ist nicht das Wort «Zufriedenheit», sondern der Zusatz davor.
Beispiel Tätigkeitssatz
«Frau Lauber war in unserem Betrieb im Bereich Administration eingesetzt.»
Ein Tätigkeitssatz ohne Aufgaben ist ein Platzhalter. «Eingesetzt» beschreibt, dass jemand da war, nicht, was er verantwortet hat. Fehlen zusätzlich Funktion, Pensum und Berufsabschluss, etwa ein EFZ, bleibt für den nächsten Leser offen, was diese Person tatsächlich konnte.
Beispiel Sozialverhalten
«Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden und Kunden war einwandfrei.»
Die Reihenfolge Vorgesetzte, Mitarbeitende, Kunden ist üblich und unauffällig. Auffällig wird es erst, wenn eine dieser Gruppen fehlt. «Einwandfrei» beschreibt korrektes, nicht herzliches Verhalten und liegt damit unter Formulierungen wie «jederzeit vorbildlich».
Hinweis zur Einordnung
Wer viele Zeugnisse liest, liest selten Wort für Wort. Zuerst wandert der Blick auf die Zufriedenheitsformel, dann auf den letzten Absatz, dann auf die Länge des Aufgabenteils. Was in dieser Reihenfolge auffällt, prägt den Eindruck, alles Weitere bestätigt ihn meist nur noch.
Typische Formulierungen und ihre Wirkung
Die folgenden Beispiele zeigen typische Formulierungen, die Arbeitnehmer häufig verunsichern. Wichtig: Diese Beispiele sind keine starre Rechts- oder Notentabelle. Sie zeigen nur, warum der Zusammenhang entscheidend bleibt.