Stand: September 2026

Arbeitszeugnis schlecht oder gut? Sechs Fragen, nach denen Sie es wissen

Es steht nichts Böses drin und trotzdem fühlt es sich nicht richtig an. Dieses Gefühl ist kein guter Ratgeber – sechs Fragen dagegen schon.

Kurz beantwortet: Ob ein Arbeitszeugnis gut ist, entscheidet sich nicht am Ton, sondern an sechs überprüfbaren Punkten. Weil Art. 330a OR ein wohlwollendes Zeugnis verlangt, klingt praktisch jedes freundlich. Aussagekräftig ist stattdessen, ob ein Satz mit dem Wort Zufriedenheit vorhanden ist, ob ein Verstärker davorsteht, ob alle Ihre Kernaufgaben genannt sind, ob alle Personengruppen aufgezählt werden, ob der Schluss Dank und Bedauern enthält und ob die Länge zur Anstellungsdauer passt.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Der Ton sagt nichts über die Bewertung.
  • Sechs Ja-oder-Nein-Fragen statt Bauchgefühl.
  • Fünf oder sechs Ja: solides Zeugnis.
  • Lücken wiegen schwerer als schwache Wörter.
  • Jedes Nein zeigt genau, wo anzusetzen wäre.
Das Spektrum von schwach bis stark Zeugnisse sind kein Schwarz-Weiss schwach auffällig Mittelfeld solide stark Leistungsformel fehlt ganz oder «war bemüht» Formel mit Einschränkung, Gruppen fehlen Formel ohne Verstärker, Schluss knapp Verstärker da, Aufgaben vollständig Spitzenformel, alle Gruppen, warmer Schluss Wo die meisten liegen und nicht bemerken, dass sie dort liegen Die beiden linken Zonen sind selten. Wer sein Zeugnis für schlecht hält, landet meist im Mittelfeld – und dort entscheidet nicht die Formel, sondern was drumherum steht oder fehlt.
Zwischen «gut» und «schlecht» liegen drei Zonen. Die meisten Zeugnisse liegen in der Mitte, und dort ist am meisten zu holen.

Warum das Bauchgefühl täuscht

Zwei Verzerrungen wirken gleichzeitig, und beide ziehen in dieselbe Richtung. Die erste ist der Ton: Weil ein Zeugnis wohlwollend sein muss, klingt es freundlich, unabhängig davon, was es bewertet. Wer nur auf den Klang hört, überschätzt schwache Zeugnisse und übersieht die Stellen, die zählen.

Die zweite Verzerrung ist die eigene Erinnerung. Wer im Streit gegangen ist, sucht im Text die Bestätigung dafür und findet sie in Sätzen, die neutral gemeint waren. Wer gut gegangen ist, liest über Auffälligkeiten hinweg. Beides führt vom tatsächlichen Inhalt weg, und beides passiert unbemerkt.

Typischer Fehler

Einzelne Sätze googeln. Zeugnissprache funktioniert nicht wie ein Wörterbuch: Derselbe Satz kann in einem starken Zeugnis unauffällig sein und in einem schwachen der Punkt, an dem es kippt. Ein Satz ohne seinen Kontext sagt fast nichts.

Die sechs Fragen

Nehmen Sie Ihr Zeugnis, einen Stift und fünf Minuten. Beantworten Sie jede Frage mit Ja oder Nein und schreiben Sie die Antwort auf – im Kopf gleicht man aus.

Die sechs Fragen zum Selbstprüfen 1 Kommt das Wort «Zufriedenheit» irgendwo vor? Nein heisst: Es fehlt die Stelle, an der bewertet wird. 2 Steht «stets» oder «jederzeit» davor? Der Verstärker ist rund eine Stufe wert. 3 Steht jede Ihrer Kernaufgaben im Text? Erst aufzählen, dann suchen – nicht umgekehrt. 4 Werden alle Personengruppen genannt? Vorgesetzte, Mitarbeitende, Kundschaft – soweit zutreffend. 5 Enthält der Schluss Dank und Bedauern? Nur Zukunftswünsche zählen als halbes Ja. 6 Passt die Länge zur Anstellungsdauer?
Frage drei ist die einzige, für die Sie etwas mitbringen müssen: Ihre eigene Liste der Aufgaben, aus dem Kopf, vor dem Lesen.
Die sechs Fragen mit ihrem Gewicht
#FrageEin Nein bedeutetGewicht
1Zufriedenheitssatz vorhandenkeine Bewertung im Textsehr hoch
2Verstärker davoreine Stufe tieferhoch
3Alle Kernaufgaben genanntBewertung ohne Substanzsehr hoch
4Alle Personengruppen genanntAuslassung wirkt wie Aussagehoch
5Dank und Bedauern im Schlusskühler Gesamteindruckmittel
6Länge passt zur DauerZweifel an der Sorgfaltmittel
Hinweis zur Einordnung Ein häufiges Muster ist, dass Frage drei am schlechtesten abschneidet und am wenigsten beachtet wird. Wer seine Aufgaben nicht vorher aufschreibt, liest im Zeugnis genau das, was dort steht, und bemerkt nicht, was fehlt.
Vier Ja, zwei Nein, und jetzt?

Laden Sie das Zeugnis hoch und schreiben Sie dazu, welche Fragen Sie mit Nein beantwortet haben. Sie bekommen eine Einordnung Ihres Textes und die Stellen, an denen sich etwas ändern lässt.

Zeugnis beurteilen lassen – CHF 19.–

Was Ihr Ergebnis bedeutet

Zählen Sie die Ja. Die Einordnung darunter ist eine Näherung und kein Urteil – sie sagt Ihnen vor allem, ob sich weiteres Nachdenken lohnt.

Auswertung nach Anzahl Ja-Antworten
Ja-AntwortenEinordnungWas daraus folgt
6starkes Zeugnisunverändert verwenden
5solides Zeugnisdas fehlende Ja gezielt nachfragen
4Mittelfeldlohnt eine Nachbesserung, meist erfolgreich
3auffälligvor dem Versand klären, nicht danach
2 oder wenigerschwachNachbesserung oder Wechsel zur Arbeitsbestätigung prüfen

Zwei Sonderfälle durchbrechen dieses Raster. Wenn Frage eins mit Nein beantwortet ist, zählt die Summe nicht: Ein Zeugnis ohne Bewertungssatz ist unvollständig, egal wie gut der Rest aussieht. Und wenn Frage drei mit Nein beantwortet ist, weil eine wirklich prägende Aufgabe fehlt, wiegt dieses eine Nein schwerer als zwei andere zusammen.

In der letzten Zeile steht ein Weg, den viele nicht kennen: Statt ein schwaches Zeugnis zu verwenden, dürfen Sie eine Arbeitsbestätigung verlangen, die gar nicht erst bewertet. Ob das die bessere Wahl ist, hängt davon ab, wie erklärungsbedürftig die Station in Ihrem Lebenslauf dann wird.

Wer eine erste Einordnung sucht, bevor er in die Einzelheiten geht: Wie eine Bewertung Baustein für Baustein entsteht, erklärt Zeugnisnote verstehen.

Warum Lücken schwerer wiegen als schwache Wörter

Eine schwache Formulierung ist sichtbar. Man kann sie zitieren, benennen und um eine andere bitten. Eine Lücke dagegen bemerkt man beim eigenen Lesen kaum, weil man das Fehlende im Kopf ergänzt – man weiss ja, was man gemacht hat.

In der Sichtung ist es umgekehrt. Eine Personalabteilung kennt Ihre Aufgaben nicht und liest nur, was dasteht. Was fehlt, existiert für sie nicht, und wenn eine Lücke auffällt, wirkt sie wie eine bewusste Entscheidung. Warum das so ist und wo die Grenze zwischen zulässiger Kürze und unzulässigem Weglassen verläuft, erklärt das Vollständigkeitsprinzip.

Sichtbar schwach

«Herr Stalder erledigte die ihm übertragenen Aufgaben zu unserer Zufriedenheit.» – zitierbar, benennbar, verhandelbar.

Unsichtbar schwach

Ein Zeugnis über vier Jahre Lagerleitung, in dem Disposition, Inventur und Stellvertretung nicht vorkommen – nichts steht falsch, und trotzdem stimmt das Bild nicht.

«Frau Wenger war für die Warenannahme zuständig. Sie erfüllte ihre Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit. Ihr Verhalten war einwandfrei.»
Vier Ja, zwei Nein

Zufriedenheitssatz ja, Verstärker ja, Länge fraglich, Personengruppen nein – im Verhaltenssatz fehlt jede Gruppe. Und die Aufgabenliste besteht aus vier Wörtern. Zwei Ergänzungen würden dieses Zeugnis spürbar heben, ohne dass jemand die Bewertung anfassen müsste.

«Wir danken Herrn Stalder für seinen Einsatz, bedauern seinen Weggang und wünschen ihm alles Gute.»
Frage fünf: klares Ja

Alle drei Teile sind da. Dieser Schluss hebt ein solides Zeugnis spürbar, und er ist zugleich der Teil, der am häufigsten fehlt und am leichtesten zu ergänzen ist.

«Sie zeigte grosses Interesse an ihren Aufgaben und war eine geschätzte Mitarbeiterin.»
Frage eins: Nein

Zwei freundliche Aussagen, keine Bewertung. «Interesse» beschreibt die Absicht, «geschätzt» das Verhältnis – die Frage, wie gut gearbeitet wurde, bleibt offen. Hier zählt die Gesamtsumme nicht mehr.

Drei Einzelbefunde, die immer wieder auftauchen

Manchmal ergibt die Selbstprüfung fünf Ja und trotzdem bleibt ein Satz im Ohr. In den meisten Fällen ist es einer dieser drei. Alle drei sind bekannt, alle drei lassen sich benennen, und keiner davon macht für sich allein ein schlechtes Zeugnis.

Der erste ist die Einschränkung. Wörter wie «im Grossen und Ganzen», «weitgehend» oder «in der Regel» schieben sich vor die Aussage und nehmen ihr die Absolutheit. Sie klingen umgangssprachlich harmlos und senken die Stufe. Was sie genau anrichten, behandelt «Im Grossen und Ganzen».

Der zweite betrifft den Tätigkeitssatz. «Erledigte die ihm übertragenen Aufgaben» beschreibt reines Ausführen – korrekt, aber ohne jede Eigeninitiative. In Funktionen, in denen Selbstständigkeit erwartet wird, fällt das auf; in einer klar zuarbeitenden Rolle nicht. Die Abgrenzung zeigt «Erledigte die übertragenen Aufgaben».

Der dritte ist die Bemüht-Formel. «War stets bemüht» lobt die Absicht statt das Ergebnis und ist das bekannteste Signal überhaupt. Steht sie im Leistungssatz, zählt keine Summe mehr – dann ist die erste der sechs Fragen faktisch mit Nein beantwortet, auch wenn das Wort Zufriedenheit irgendwo vorkommt.

Beispiel zur Einordnung

Eine Lageristin fand in ihrem Zeugnis fünf Ja und einen Satz, der sie störte: «im Grossen und Ganzen zu unserer vollen Zufriedenheit». Nach der Bitte, die vier Wörter zu streichen, blieb derselbe Satz ohne Einschränkung stehen. Der Betrieb musste nichts umbewerten – nur etwas weglassen.

Was Sie je nach Ergebnis tun

Drei Wege, je nachdem, wo Sie gelandet sind. Alle drei sind sachlich, keiner davon eskaliert.

Drei Wege nach der Selbstprüfung Was jetzt zu tun ist 5 bis 6 Ja 3 bis 4 Ja 0 bis 2 Ja Verwenden Sie es. Bei genau einem Nein lohnt eine kurze Bitte um Ergänzung – sie kostet einen Brief. Ergänzung erbitten. Auf die zwei stärksten Punkte beschränken, Ersatzsatz mitliefern, Frist von drei Wochen. Erst klären, dann versenden. Nachbesserung oder Wechsel zur kurzen Arbeitsbestätigung prüfen.
Der mittlere Weg ist der häufigste und der aussichtsreichste: Bei drei bis vier Ja geht es fast immer um Ergänzungen, nicht um Bewertungen.

In allen drei Fällen gilt dieselbe Reihenfolge: erst die Tatsachen, dann die Bewertung. Eine fehlende Aufgabe oder eine nicht genannte Personengruppe lässt sich sachlich ergänzen, ohne dass jemand seine Meinung ändern muss. Eine höhere Leistungsformel dagegen ist eine Meinungsfrage. Wie ein Schreiben aufgebaut wird, das umgesetzt wird, steht auf Arbeitszeugnis korrigieren lassen.

Worauf bei der Durchsicht geachtet wird

Bewerbende, die ihr eigenes Zeugnis für schlechter halten, als es ist. In der Sichtung fällt ein solides Zeugnis gar nicht auf, und genau das ist sein Zweck. Auffallen muss die Bewerbung, nicht das Papier.

Beispiel zur Einordnung

Gefühlt schlecht, gerechnet solide

Ein Chauffeur Kategorie C, 46, sieben Jahre in einem Transportbetrieb im Kanton Freiburg, hielt sein Zeugnis für schwach – der Austritt war unschön verlaufen. Die sechs Fragen ergaben fünf Ja: Zufriedenheitssatz mit Verstärker, Aufgaben vollständig samt Fahrzeugkategorien und Tourengebiet, Länge passend, Schluss mit Dank und Wünschen. Das einzige Nein betraf das Bedauern. Er verwendete das Zeugnis unverändert und bat den Betrieb nicht einmal um eine Ergänzung.

Konstruiertes Beispiel zur Veranschaulichung, kein realer Kundenfall.

Was Ihnen zusteht

Ihr Anspruch steht in Art. 330a OR: ein Zeugnis, das sich über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über Leistung und Verhalten ausspricht. Ein Anspruch auf eine bestimmte Bewertung folgt daraus nicht. Sehr wohl aber darauf, dass das Zeugnis vollständig und wahr ist und nicht verdeckt abwertet – den Persönlichkeitsschutz regelt Art. 328 OR.

Für die Praxis heisst das: Die Fragen eins, drei und vier betreffen die Vollständigkeit und lassen sich gut begründen. Frage zwei betrifft die Bewertung und ist Verhandlungssache. Für die Verjährung gilt Art. 127 OR mit zehn Jahren. Die kürzere Fünfjahresfrist von Art. 128 Ziff. 3 OR hat das Bundesgericht für den Zeugnisanspruch ausdrücklich abgelehnt (BGer 4A_295/2020). Ein Gesamtarbeitsvertrag kann günstigere Regeln enthalten.

Wenn der Betrieb nicht reagiert

Nach einer sachlichen schriftlichen Bitte und einer Erinnerung führt der Weg zur Schlichtungsbehörde Ihres Kantons. Das Verfahren in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten ist in aller Regel kostenlos, und die Einladung dorthin klärt viele Fälle. Massgebend bleiben Ihr Arbeitsvertrag und ein allfälliger GAV.

Hinweis zur Einordnung In aller Regel verschiebt sich die Selbsteinschätzung nach den sechs Fragen fast immer nach oben. Nicht weil die Fragen mild wären, sondern weil sie den Ton ausklammern, und der Ton ist genau das, was vorher gestört hat.

Zeugnis beurteilen lassen

Dafür müssen Sie nicht auf eine andere Seite wechseln. Zeugnis hochladen, mehr braucht es nicht. Die Auswertung kommt als PDF und Word-Datei per E-Mail.

1Anfrage stellenZeugnis hochladen, E-Mail eintragen, fertig.
2Antwort erhaltenEinordnung und die wichtigen Punkte im Klartext.
3Auffälligkeiten und DownloadsNotenstufe, offene Stellen, dazu PDF und Word-Datei.
4Zustellung per E-MailPersönlicher Zugangslink, 7 Tage gültig.
Anfrageformular mit hochgeladenem Arbeitszeugnis, E-Mail-Feld und Zustimmung
1. Ihre Anfrage
Erste Seite der Auswertung mit Zusammenfassung und Notenstufe
2. Ihre Antwort, Seite 1
Zweite Seite der Auswertung mit auffälligen Formulierungen und Hinweisen
3. Ihre Antwort, Seite 2
E-Mail mit dem persönlichen Zugangslink zur fertigen Auswertung
4. Zustellung per E-Mail

PDF oder Foto, mehrere Seiten möglich. Namen und Adresse dürfen Sie schwärzen.

Dorthin geht der Zugangslink zu Ihrer Auswertung. Der Link ist 7 Tage gültig.

CHF 19.– einmalig · ohne Abo · ohne Registrierung

Übertragung verschlüsselt, Unterlagen vertraulich behandelt.
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Klare Einordnung statt BauchgefühlSie erfahren, wo Ihr Zeugnis auf dem Spektrum liegt und woran genau das im Text festgemacht ist.
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Formulierungen im KlartextJede bewertende Stelle wird übersetzt, in Alltagssprache statt Zeugnisdeutsch.
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Notenstufe eingeordnetWo Ihr Zeugnis auf der Skala steht – und woran das im Text festgemacht ist.
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Konkrete ÄnderungsvorschlägeAuf Wunsch ein sachliches Schreiben an den Betrieb mit besseren Formulierungen.
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Vertraulich, ohne RegistrierungNur E-Mail nötig, geschwärzte Dokumente sind erlaubt, Zugangslink 7 Tage gültig.
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Keine Rechtsberatung – CHF 19.– einmaligVerständliche Einordnung Ihres Dokuments, keine rechtliche Bewertung und keine Vertretung gegenüber dem Betrieb.

Woran sich diese Seite hält

Rechtsgrundlage
Der Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis ergibt sich aus Art. 330a OR. Ein Anspruch auf eine bestimmte Bewertung folgt daraus nicht. Das Gebot, wahrheitsgetreu und zugleich wohlwollend zu formulieren, entwickelte das Bundesgericht aus eben dieser Bestimmung (BGE 136 III 510).
Vollständigkeit und Wahrheit
Ein Zeugnis muss wahr, vollständig und zugleich wohlwollend sein; verdeckte Abwertungen sind unzulässig. Den Persönlichkeitsschutz regelt Art. 328 OR.
Woher die sechs Fragen stammen
Sie fassen zusammen, worauf in Schweizer Personalabteilungen in aller Regel zuerst geschaut wird. Das ist eine Beobachtung der Praxis, keine gesetzliche Vorgabe.
Grenzen dieser Selbstprüfung
Die Auswertung nach Anzahl Ja ist eine Näherung. Sie ersetzt keine Einordnung des konkreten Textes und berücksichtigt Besonderheiten Ihrer Branche oder Funktion nicht.
Was hier nicht angeboten wird
Keine Rechtsberatung, keine Vertretung gegenüber dem Betrieb, keine Durchsetzung einer bestimmten Bewertung. Für Streitfälle ist die kantonale Schlichtungsbehörde zuständig.
Für wen diese Seite ist
Für Angestellte in der Schweiz, die ihr Zeugnis zum ersten Mal einordnen wollen und nicht wissen, worauf sie überhaupt schauen sollen.
Diese Seite bietet eine allgemeine Einordnung von Zeugnisformulierungen und ersetzt keine Rechtsberatung. Sie beinhaltet keine Vertretung gegenüber dem Arbeitgeber und keine verbindliche rechtliche Bewertung des Einzelfalls. Die sechs Fragen und ihre Auswertung sind ein Hilfsmittel zur Selbsteinschätzung, keine amtliche Bewertung. Bei rechtlichen Streitfragen wenden Sie sich an die kantonale Schlichtungsbehörde oder an eine Anwältin oder einen Anwalt.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich als Laie, ob mein Arbeitszeugnis gut ist?

Über sechs Ja-oder-Nein-Fragen statt über das Bauchgefühl: Steht ein Satz mit dem Wort Zufriedenheit drin? Steht ein Verstärker davor? Sind alle Ihre Kernaufgaben genannt? Werden alle Personengruppen aufgezählt? Endet der Text mit Dank und Bedauern? Passt die Länge zur Anstellungsdauer?

Ist ein freundlich klingendes Zeugnis automatisch gut?

Nein. Ein Zeugnis muss nach Art. 330a OR wohlwollend sein, also klingt praktisch jedes freundlich. Der Ton sagt deshalb nichts über die Bewertung. Entscheidend ist, welche Wörter im Leistungssatz stehen und was im übrigen Text vorhanden ist oder fehlt.

Was ist schlimmer: eine schwache Formulierung oder eine Lücke?

In aller Regel die Lücke. Eine schwache Formulierung ist sichtbar und lässt sich benennen. Eine fehlende Kernaufgabe oder eine nicht genannte Personengruppe bemerkt man beim eigenen Lesen kaum, wirkt in der Sichtung aber wie eine bewusste Aussage.

Mein Zeugnis fühlt sich schlecht an, obwohl nichts Negatives drinsteht.

Das ist der häufigste Fall und meist ein gutes Zeichen. Wer beim Austritt enttäuscht war, liest den Text strenger, als er gemeint ist. Gehen Sie die sechs Fragen durch: Wenn fünf oder sechs mit Ja beantwortet sind, liegt Ihr Zeugnis im soliden Bereich.

Ab wann lohnt sich eine Nachbesserung?

Sobald eine der sechs Fragen ein Nein ergibt und sich das Nein auf eine Tatsache bezieht – eine fehlende Aufgabe, eine fehlende Personengruppe, ein fehlender Dank. Solche Bitten werden häufig erfüllt, weil der Betrieb nichts umbewerten muss, sondern nur ergänzt.

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Zeugnis beurteilen lassen – CHF 19.–