Kein Dank im Arbeitszeugnis: Was das bedeuten kann
Dank im Zeugnis ist mehr als Höflichkeit – er zeigt, dass die geleistete Arbeit gesehen wurde. Fehlt er, wirkt der Abschluss nüchtern, besonders nach langer Zugehörigkeit oder in einer verantwortungsvollen Funktion. Trotzdem sollte fehlender Dank nicht dramatisiert werden: Manche Betriebe nutzen sehr schlichte Standardtexte.
Beispielsatz aus einem Zeugnis
«Das Arbeitsverhältnis endet per 30. Juni 2026.»
Danach folgt nichts mehr. Kein Dank, kein Wunsch. Für sich genommen neutral – nach acht Jahren Anstellung wirkt dieses stumme Ende jedoch spürbar distanziert.
Vertiefend dazu: fehlender Dank im Arbeitszeugnis.
Zwei Zeilen Unterschied
Der Schlussteil ist kurz, und gerade deshalb fällt jede Auslassung auf. Ein Zeugnis muss nach Art. 330a Abs. 1 OR vollständig und wahr sein und zugleich wohlwollend formuliert werden, wie es die Fürsorgepflicht nach Art. 328 OR verlangt. Erzwingen lässt sich ein Dank damit nicht, weil er ein Werturteil bleibt. Wohl aber lässt sich verlangen, dass der Schluss nicht im Widerspruch zum Rest des Zeugnisses steht.
Vorher (nur Zukunftswunsch)«Frau Amrein verlässt unser Unternehmen per 30. April 2026. Wir wünschen ihr für die Zukunft alles Gute.»
Nachher (vollständiger Schluss)«Wir danken Frau Amrein für ihre wertvolle Mitarbeit während sechs Jahren, bedauern ihr Ausscheiden und wünschen ihr für die berufliche Zukunft weiterhin viel Erfolg und alles Gute.»
Zwischen beiden Fassungen liegen zwei Halbsätze. Sie ändern keine Note und keinen Sachverhalt, verschieben aber den Gesamteindruck deutlich. Wer den Schluss anspricht, sollte darum nicht nach einem netteren Ton fragen, sondern nach den beiden fehlenden Bausteinen Dank und Bedauern. Das gilt unabhängig davon, ob jemand im vollen Pensum oder Teilzeit gearbeitet hat und ob der Abschluss ein EFZ, ein Fachausweis oder ein Studium war.
Beispiel Zukunftswunsch
«Für seinen weiteren Weg wünschen wir ihm alles Gute.»
Der Satz nennt weder Erfolg noch Gesundheit noch persönliches Wohlergehen, sondern nur das Allgemeinste. Je knapper der Wunsch, desto kühler die Wirkung. Im Zusammenspiel mit einem fehlenden Dank ergibt sich daraus ein erkennbares Muster.
Kurz gemerkt
Prüfen Sie den Schluss immer zusammen mit der Leistungsformel. Fehlt der Dank und steht davor «zu unserer Zufriedenheit» ohne Verstärker, zeigen zwei Stellen in dieselbe Richtung. Fehlt nur der Dank und der Rest ist stark, ist die Wahrscheinlichkeit einer blossen Vorlagenlücke hoch.
Hinweis zur Einordnung
Viele Betriebe im Kanton Aargau und anderswo arbeiten mit Zeugnisvorlagen, in denen der Schlussteil als optionaler Baustein hinterlegt ist. Fällt er weg, ist das oft kein Urteil, sondern schlicht ein nicht gesetztes Häkchen. Für den nächsten Leser bleibt der Eindruck trotzdem derselbe, weshalb sich eine freundliche Nachfrage fast immer lohnt.
Kein Bedauern: ein kleines Wort mit grosser Wirkung
Das Bedauern über den Austritt ist ein starkes positives Signal – es stellt den Weggang als Verlust dar. Fehlt es, wirkt der Abschluss neutraler oder kühler. Gerade bei eigener Kündigung erwarten viele, dass ein Arbeitgeber den Austritt zumindest bedauert, wenn die Zusammenarbeit gut war.
Was oft dahintersteckt
«Wir wünschen für die berufliche Zukunft alles Gute.»
Ein Wunsch ohne vorheriges Bedauern. Das ist brauchbar, aber eine Stufe kühler als «Wir bedauern seinen Weggang und wünschen …». Der Unterschied entscheidet über den letzten Ton.
Mehr dazu: fehlendes Bedauern und Zukunftswünsche im Zeugnis.