Stand: August 2026
«Im gegenseitigen Einvernehmen» – der Austrittsgrund ist keine Bewertung
Diese Formel wird häufiger überinterpretiert als jede andere – weil sie an einer Stelle steht, an der man Bewertungen erwartet, und keine ist.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Austrittsangabe, keine Bewertung.
- Der Grund gehört nur mit Ihrer Zustimmung hinein.
- Eine reine Datumsangabe ist üblich und zulässig.
- Sie löst eine Frage aus, keine Absage.
- Vor der Unterschrift auch die Versicherung klären.
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Ein Zeugnis enthält zwei Arten von Aussagen, und sie werden regelmässig verwechselt. Die erste Art beurteilt: Leistung, Arbeitsweise, Verhalten. Die zweite Art berichtet: Funktion, Dauer, Aufgaben, Austritt. Die Austrittsformel gehört vollständig zur zweiten Art – sie hält einen Umstand fest, sie bewertet nicht.
Das klingt selbstverständlich und wird trotzdem selten so gelesen. Der Grund ist die Position: Die Formel steht ganz am Schluss, gleich neben dem Dank und den Wünschen, also mitten in einem Abschnitt, der sonst Wärme transportiert. Dadurch übernimmt sie in der Wahrnehmung eine Färbung, die sie inhaltlich gar nicht hat.
Für Ihre Einschätzung folgt daraus die wichtigste Regel dieser Seite: Beurteilen Sie Ihr Zeugnis, bevor Sie die Austrittsformel lesen. Wenn Aufgaben, Bewertung, Verhaltenssatz und Schluss vollständig und wohlwollend sind, ändert die Formel daran nichts – sie berichtet nur, wie das Arbeitsverhältnis endete, und steht damit auf derselben Stufe wie das Austrittsdatum.
Die ganze Aufmerksamkeit auf diese eine Zeile richten und den Rest des Zeugnisses unbesehen lassen. Ein vollständiger, gut bewerteter Text mit dieser Formel ist ein gutes Zeugnis. Ein dünner Text ohne diese Formel ist ein schwaches.
Die Varianten der Austrittsangabe
Für das Ende eines Arbeitsverhältnisses gibt es eine überschaubare Zahl gebräuchlicher Formulierungen. Sie unterscheiden sich darin, wie viel sie über die Umstände preisgeben, und die meisten geben bewusst wenig preis.
| Formulierung | Was sie sagt | Wie sie gelesen wird |
|---|---|---|
| verlässt uns per 31. Juli 2026 | nur das Datum | neutral, sehr häufig |
| verlässt uns auf eigenen Wunsch | die Kündigung ging von Ihnen aus | unauffällig, positiv besetzt |
| verlässt uns im gegenseitigen Einvernehmen | beide Seiten waren einverstanden | löst eine Frage aus |
| verlässt uns im Rahmen einer Reorganisation | die Stelle fiel weg | erklärend, oft nützlich |
| das Arbeitsverhältnis endet per … | nur das Datum, unpersönlich | neutral, etwas kühler |
| gar keine Angabe | nichts | ebenfalls üblich, kein Signal |
Die dritte Zeile ist die einzige, die regelmässig Rückfragen auslöst, und selbst sie ist keine negative Aussage. Beachten Sie zugleich die vierte: Wenn Ihre Stelle tatsächlich wegfiel, ist eine solche Angabe oft im eigenen Interesse, weil sie eine kurze Anstellung erklärt, bevor jemand danach fragt. Auch sie gehört aber nur mit Ihrem Einverständnis in den Text – die Entscheidung darüber liegt bei Ihnen und nicht beim Betrieb.
Laden Sie Ihr Zeugnis hoch. Sie bekommen eine Einordnung, wie der Schlussteil wirkt, ob der übrige Text ihn trägt und ob eine neutrale Fassung sinnvoll wäre.
Warum die Formel gewählt wird
Hinter dieser Zeile stehen in der Praxis sehr verschiedene Geschichten, und keine davon lässt sich dem Text ansehen. Vier Konstellationen erklären die allermeisten Fälle, und sie unterscheiden sich stärker voneinander als die Formel vermuten lässt.
Bedauern und verstärkter Dank stehen neben der Formel. Dieses Umfeld trägt die Aussage: Wer bedauert wird, ist nicht im Streit gegangen. In dieser Kombination ist die Formel praktisch bedeutungslos.
Kein Dank, kein Bedauern, allgemeine Wünsche. Hier verstärken sich zwei zurückhaltende Elemente. Der Ansatzpunkt ist trotzdem nicht die Austrittsformel, sondern der fehlende Dank – darum lässt sich leichter bitten, und die Wirkung ist grösser.
Statt «verliess uns» steht hier eine Passivkonstruktion ohne handelnde Person. Inhaltlich ändert das nichts, im Ton wirkt es distanzierter, und in einem sonst warmen Zeugnis fällt der Bruch auf. Wie der übrige Schlussteil gelesen wird, zeigt Schlussformel verstehen; welche Temperatur der letzte Halbsatz hat, behandelt Zukunftswünsche im Zeugnis.
Die Formel im Lebenslauf erklären oder im Bewerbungsschreiben aufgreifen. Damit machen Sie sie zum Thema, bevor jemand danach gefragt hat. Welche Stellen im Zeugnis tatsächlich gelesen werden, beschreibt Wirkung auf Arbeitgeber; welche Stufe die Bewertung markiert, erklärt Zeugnisnote verstehen.
Wie sie in der Bewerbung wirkt
Nüchtern betrachtet erzeugt die Formel eine Frage im Bewerbungsgespräch, mehr nicht. Kein Betrieb sortiert eine Bewerbung wegen dieser Zeile aus, und in der ersten Sichtung wird der Schlussteil ohnehin nur auf Anwesenheit von Dank und Wünschen geprüft. Wichtig ist deshalb nicht, die Formel loszuwerden, sondern eine Antwort bereitzuhaben.
Eine gute Antwort ist kurz, wahr und ohne Groll. «Der Bereich wurde neu aufgeteilt, meine Stelle passte nach der Umstellung nicht mehr zu meinem Profil. Wir haben uns auf eine Beendigung geeinigt.» Das genügt vollständig, und in aller Regel folgt keine zweite Nachfrage. Was dagegen nicht funktioniert, sind lange Erklärungen, Andeutungen über Konflikte oder eine spürbare Anspannung – sie machen aus einer Formalie ein Thema. Wie ein Zeugnis überhaupt gelesen wird und wie wenig Zeit dabei auf den Schlussteil entfällt, beschreibt Wirkung auf Arbeitgeber.
Die Formel kommt häufig vor und wird entsprechend routiniert behandelt. Auffällig ist nicht sie selbst, sondern eine unsichere oder ausweichende Antwort darauf, und die lässt sich mit zwei Sätzen Vorbereitung vermeiden.
Ein Wort zur Reihenfolge beim Lesen: Prüfen Sie zuerst, ob Aufgabenliste und Bewertung vollständig sind, und erst danach den Schlussteil. Ob Ihr Zeugnis insgesamt trägt, lässt sich mit den Kriterien auf Schlecht oder gut? abschätzen.
Was vor der Unterschrift zu klären ist
Dieser Abschnitt betrifft Sie nur, wenn die Beendigung noch bevorsteht – dann aber sehr, weil sich hier Entscheidungen treffen lassen, die später nicht mehr zu korrigieren sind. Eine einvernehmliche Auflösung ist rechtlich etwas anderes als eine Kündigung, und die Unterschiede wirken sich aus.
| Punkt | Bei Kündigung durch den Betrieb | Bei einvernehmlicher Beendigung |
|---|---|---|
| Kündigungsfrist | gesetzlich oder vertraglich festgelegt | frei vereinbar – auch kürzer |
| Sperrfristen bei Krankheit | Schutz nach Art. 336c OR | Schutz greift nicht in gleicher Weise |
| Missbräuchliche Kündigung | anfechtbar | keine Kündigung, also nichts anfechtbar |
| Arbeitslosenversicherung | in der Regel unproblematisch | Einstelltage möglich, Einzelfallbeurteilung |
| Verhandlungsspielraum | gering | gross – Freistellung, Zeugnis, Termin |
Die letzte Zeile ist der Grund, warum eine einvernehmliche Beendigung durchaus im eigenen Interesse liegen kann: Alles ist verhandelbar, auch der Zeugnistext. Lassen Sie sich deshalb, wenn Sie über eine solche Vereinbarung sprechen, den fertigen Zeugnistext vorlegen, bevor Sie unterschreiben – danach fehlt jedes Druckmittel. Und klären Sie die Folgen für die Arbeitslosenversicherung mit der zuständigen Amtsstelle, bevor die Vereinbarung steht.
Sachlich ändern lassen
Wenn Sie der Nennung des Grundes nicht zugestimmt haben, ist die Bitte um eine neutrale Fassung sachlich gut begründet. Sie stützt sich nicht auf Geschmack, sondern auf die Regel, dass der Grund für die Beendigung nur mit Ihrem Einverständnis ins Zeugnis gehört.
«Die Formel erweckt einen falschen Eindruck und schadet mir bei Bewerbungen. Ich möchte, dass sie verschwindet.»
«Da ich der Nennung des Beendigungsgrundes nicht zugestimmt habe, bitte ich Sie um folgende Fassung: ‚Frau Aebi verlässt unser Unternehmen per 31. März 2026.‘ Alles Übrige kann unverändert bleiben.»
Setzen Sie eine Frist von zwei bis drei Wochen und richten Sie die Bitte an die Person, die unterschrieben hat. Verzichten Sie darauf, gleichzeitig über den Dank oder die Bewertung zu sprechen – eine einzelne, gut begründete Bitte hat deutlich bessere Aussichten als eine Liste von Anliegen. Wie ein solches Schreiben aufgebaut wird, zeigt Arbeitszeugnis korrigieren lassen.
Ein Satz kürzer, vier Tage
Ein Verkaufsleiter, 47, neun Jahre bei einem Handelsbetrieb in der Region Thun. Seine Stelle fiel nach einer Zusammenlegung zweier Bereiche weg; die Beendigung wurde verhandelt, im Zeugnis stand anschliessend die Einvernehmensformel. Er wies darauf hin, dass er der Nennung des Grundes nie zugestimmt habe, und bat um die reine Datumsangabe. Die Personalabteilung änderte den Satz ohne Rückfrage; die neue Fassung kam nach vier Tagen. Der übrige Text, der ausführlich und wohlwollend war, blieb unverändert.
Ihr Anspruch und seine Grenze
Grundlage ist Art. 330a OR: Das Zeugnis spricht sich über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über Leistung und Verhalten aus. Der Grund für die Beendigung gehört nicht zu diesem Pflichtinhalt – er darf nur mit Ihrem Einverständnis genannt werden. Wer keine Bewertung im Dokument wünscht, kann nach Art. 330a Abs. 2 OR eine blosse Bestätigung über Art und Dauer verlangen.
Verdeckte Abwertungen sind unzulässig, weil Art. 328 OR Ihre Persönlichkeit schützt. Steht die Beendigung noch bevor, beachten Sie die Kündigungsfristen nach Art. 335c OR und die Sperrfristen nach Art. 336c OR – beide entfalten bei einer einvernehmlichen Auflösung nicht dieselbe Schutzwirkung wie bei einer Kündigung. Für Forderungen aus dem Arbeitsverhältnis gilt die fünfjährige Frist nach Art. 128 Ziff. 3 OR; ein Gesamtarbeitsvertrag kann günstigere Regeln vorsehen.
Fragen Sie einmal nach dem Grund. Wird auf eine schriftliche Vereinbarung verwiesen, in der Sie der Formulierung zugestimmt haben, ist das nachvollziehbar – prüfen Sie in diesem Fall die Vereinbarung. Haben Sie nie zugestimmt und bleibt jede Reaktion aus, führt der Weg zur Schlichtungsbehörde Ihres Kantons; das Verfahren in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten ist in aller Regel kostenlos.
Austrittsformel einordnen lassen
Dafür müssen Sie nicht auf eine andere Seite wechseln. Zeugnis hochladen, mehr braucht es nicht. Die Auswertung kommt als PDF und Word-Datei per E-Mail.
Woran sich diese Seite hält
- Rechtsgrundlage
- Der Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis ergibt sich aus Art. 330a Abs. 1 OR, der Anspruch auf eine blosse Bestätigung aus Art. 330a Abs. 2 OR.
- Grund der Beendigung
- Er gehört nur mit Ihrem Einverständnis ins Zeugnis. Eine reine Datumsangabe ist zulässig und weit verbreitet.
- Schutzbestimmungen
- Kündigungsfristen regelt Art. 335c OR, Sperrfristen bei Arbeitsunfähigkeit Art. 336c OR. Bei einer einvernehmlichen Auflösung greifen sie nicht in gleicher Weise.
- Arbeitslosenversicherung
- Eine einvernehmliche Beendigung kann Einstelltage zur Folge haben. Die Beurteilung liegt bei der zuständigen Amtsstelle und hängt vom Einzelfall ab.
- Frist
- Forderungen aus dem Arbeitsverhältnis verjähren nach fünf Jahren gemäss Art. 128 Ziff. 3 OR. Ein Gesamtarbeitsvertrag kann günstigere Regeln enthalten.
- Für wen diese Seite ist
- Für Angestellte in der Schweiz, in deren Zeugnis der Austritt als einvernehmlich beschrieben ist, und die wissen wollen, was das bedeutet.
Häufige Fragen
Was bedeutet «verliess uns im gegenseitigen Einvernehmen»?
Die Formel sagt, dass beide Seiten mit der Beendigung einverstanden waren. Sie sagt nichts darüber, von wem die Anregung ausging und nichts über Ihre Leistung. In der Praxis steht sie häufig, wenn eine förmliche Kündigung vermieden werden sollte – das kann für beide Seiten sinnvoll gewesen sein.
Ist die Formel ein Nachteil in der Bewerbung?
Sie löst eine Frage aus, mehr nicht. Wer eine kurze, sachliche Antwort bereit hat, kommt damit gut durch. Zum Nachteil wird sie erst, wenn das übrige Zeugnis ebenfalls zurückhaltend ist – dann verstärken sich zwei Signale gegenseitig.
Muss der Grund für die Beendigung überhaupt im Zeugnis stehen?
Nein. Der Grund gehört nur mit Ihrem Einverständnis hinein. Üblich und zulässig ist eine reine Datumsangabe ohne jeden Zusatz – und das ist in vielen Zeugnissen auch die gewählte Variante.
Kann ich die Streichung verlangen?
Wenn Sie der Nennung nicht zugestimmt haben, ist eine Bitte um eine neutrale Fassung gut begründbar. Formulieren Sie sie sachlich: Sie verlangen keine andere Bewertung, sondern eine Angabe, die sich auf Art und Dauer der Anstellung beschränkt.
Hat eine einvernehmliche Auflösung Folgen für die Arbeitslosenversicherung?
Sie kann Folgen haben. Wer an der Beendigung mitgewirkt hat, muss unter Umständen mit Einstelltagen rechnen; die Beurteilung liegt bei der zuständigen Amtsstelle und hängt vom Einzelfall ab. Klären Sie das vor der Unterschrift und nicht danach.



