Was bedeutet „kommunikativ“ im Arbeitszeugnis?
„Kommunikativ“ beschreibt die Fähigkeit, sich mit anderen auszutauschen – mit Kolleginnen, Vorgesetzten und Kundschaft. Als Eigenschaft ist das positiv besetzt. In der Zeugnissprache zählt aber nicht die Eigenschaft allein, sondern ob sie mit einem Ergebnis verbunden wird. „Kommunikationsstark, was sich in einer hohen Weiterempfehlungsrate zeigte“ ist starkes Lob. „War kommunikativ“ ohne Zusatz bleibt eine nette, aber vage Aussage.
Grundlage ist das Prinzip aus Art. 330a OR: Ein Zeugnis muss wahr und wohlwollend sein. Deshalb wird Kritik selten offen formuliert. Wo Fachleistung schwach war, weicht mancher Text bewusst auf „weiche“ Eigenschaften aus – Freundlichkeit, Kontaktfreude, Gesprächigkeit. Steht Kommunikation im Rampenlicht und fehlt daneben jedes Wort zur Arbeitsqualität, lohnt der zweite Blick.
Wichtig ist dabei Fairness in beide Richtungen. Nicht jede Erwähnung von Kommunikation ist ein Alarmzeichen – in vielen Zeugnissen ist sie schlicht ehrlich gemeint. Umgekehrt macht ein einzelnes „gesprächig“ kein schlechtes Zeugnis. Erst das Zusammenspiel mit den übrigen Aussagen ergibt ein belastbares Bild, und genau dieses Zusammenspiel ist für Laien schwer zu greifen.
Kommunikationsstark betont Wirkung und Ergebnis. Gesprächig kann in ungünstigem Kontext andeuten, dass jemand viel geredet, aber wenig bewegt hat.