Stand: August 2026

«Zeigte Initiative» – warum das Ergebnis zählt und nicht die Absicht

Zwischen «wollte», «versuchte» und «erreichte» liegt im Zeugnis mehr Abstand als zwischen zwei Notenstufen.

Kurz beantwortet: «Zeigte Initiative» beschreibt eine Handlung ohne Ergebnis. Der Satz ist positiv und bleibt unvollständig, weil offen bleibt, was daraus entstand. In der Zeugnissprache gilt: Je näher eine Formulierung am Ergebnis liegt, desto stärker wirkt sie. Die Skala reicht von «zeigte Interesse» über «war bemüht» und «zeigte Initiative» bis zu «führte ein», und der wirksamste Schritt ist nicht ein besseres Adjektiv, sondern ein genanntes Ergebnis. Grundlage bleibt Art. 330a OR.
Anonymisiertes Praxisbeispiel

Aus «zeigte Initiative» wurde ein Projekt

Ein Konstrukteur EFZ, 34, fünf Jahre in einem Maschinenbaubetrieb in der Region Aarau. Sein Zeugnis hielt fest, er habe «stets Initiative gezeigt und eigene Vorschläge eingebracht». Was darin nicht stand: Einer dieser Vorschläge war die Umstellung der Zeichnungsablage auf ein neues System, die er anschliessend während acht Monaten selbst begleitet hatte. Er bat um einen zusätzlichen Satz mit dieser Angabe. Der Betrieb nahm ihn wörtlich auf. Der ursprüngliche Satz blieb stehen, und war nun der Rahmen für etwas Konkretes statt ein Ersatz dafür.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Absicht, Handlung und Ergebnis sind drei Stufen.
  • «Interesse» liegt am tiefsten, «bemüht» knapp darüber.
  • Ein Ergebnis schlägt jedes Adjektiv.
  • Der Zusammenhang entscheidet, nicht das Wort.
  • Ergänzen ist leichter als umformulieren.

Absicht, Handlung, Ergebnis

Jeder Satz über das, was jemand von sich aus getan hat, lässt sich einer von drei Stufen zuordnen. Die erste beschreibt eine Haltung: Jemand war interessiert, aufgeschlossen, motiviert. Die zweite beschreibt eine Handlung ohne Ausgang: Jemand brachte Vorschläge ein, ergriff die Initiative, engagierte sich. Die dritte beschreibt ein Ergebnis: Jemand führte etwas ein, baute etwas auf, löste ein Problem.

Diese drei Stufen sind der ganze Schlüssel zu dieser Seite. Sie erklären, warum ein freundlich klingender Satz schwach wirken kann und warum ein nüchterner Satz stark wirkt. Und sie erklären, warum die häufigste Bitte an dieser Stelle – nämlich die um ein besseres Adjektiv – fast nie etwas bringt: Ein Adjektiv verschiebt die Aussage innerhalb einer Stufe, ein Ergebnis verschiebt sie um eine ganze Stufe nach oben. Diese Beobachtung gilt für alle Eigenschaftssätze im Zeugnis, nicht nur für die Initiative.

Haltung, Handlung, Ergebnis Drei Stufen, ein Sprung pro Stufe Ergebnis – überprüfbar führte ein · baute auf · löste · stellte um · entwickelte · senkte · verkürzte Handlung – ohne Ausgang zeigte Initiative · brachte Vorschläge ein · engagierte sich · setzte sich ein Haltung – ohne Handlung zeigte Interesse · war motiviert · war aufgeschlossen
Die Balkenlänge steht für die Aussagekraft. Der Weg nach oben führt nicht über ein stärkeres Wort, sondern über eine zusätzliche Angabe.
Typischer Fehler

Um «grosse Initiative» statt «Initiative» bitten. Der Verstärker verschiebt nichts, weil die Stufe dieselbe bleibt. Bitten Sie stattdessen darum, ein Ergebnis zu nennen – das kostet den Betrieb einen Halbsatz und verändert die Aussage vollständig.

Die Skala der Handlungsverben

Eine Vorbemerkung, die diesen Abschnitt in Proportion setzt: Die allermeisten Zeugnisse enthalten überhaupt keinen Satz über Eigeninitiative, und das ist völlig normal. Er kommt vor allem dort vor, wo jemand über die eigene Rolle hinaus tätig war. Wenn Ihr Zeugnis einen solchen Satz enthält, wurde also bereits etwas Zusätzliches wahrgenommen, und es geht auf dieser Seite nur noch um die Frage, ob dieses Zusätzliche auch benannt ist.

Innerhalb der drei Stufen gibt es eine feinere Ordnung. Sie zu kennen hilft vor allem beim Formulieren einer Bitte, weil Sie damit einen Vorschlag machen können, der zur Sache passt und nicht übertrieben wirkt.

Handlungsverben von schwach nach stark
FormulierungStufeWas offen bleibt
zeigte Interesse an neuen AufgabenHaltungob überhaupt etwas geschah
war motiviert und aufgeschlossenHaltungob daraus eine Handlung folgte
war bemüht, Abläufe zu verbessernHandlung mit Vorbehaltob es gelang
brachte eigene Vorschläge einHandlungob sie umgesetzt wurden
zeigte Initiative und übernahm AufgabenHandlungwelche Aufgaben, mit welchem Ausgang
setzte die Umstellung des Ablagesystems umErgebnisnichts Wesentliches
baute die neue Kontrollstelle aufErgebnisnichts Wesentliches

Die vierte Zeile ist ein häufiger Zwischenfall. «Brachte eigene Vorschläge ein» klingt gut und ist zweideutig: Es kann heissen, dass die Vorschläge geschätzt und umgesetzt wurden, oder dass sie eingebracht und nicht weiterverfolgt wurden. Wer diesen Satz im eigenen Zeugnis findet und weiss, dass mindestens ein Vorschlag umgesetzt wurde, sollte genau das ergänzen lassen.

Steht in Ihrem Zeugnis, was aus Ihrer Initiative geworden ist?

Laden Sie es hoch und schreiben Sie in einem Satz dazu, was Sie angestossen haben. Sie bekommen eine Einordnung, auf welcher Stufe Ihre Sätze liegen und welche Ergänzung sich lohnt.

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«Frau Rickenbach brachte sich engagiert in das Team ein.»
Engagement ohne Gegenstand

Wofür das Engagement galt, bleibt offen, und damit auch, was daraus wurde. Der Satz beschreibt eine Haltung im Umgang mit anderen und gehört damit eher in den Verhaltensteil als in die Leistungsbewertung. Warum Eigenschaftslob allein dünn wirkt, zeigt «War beliebt»; welche Grundschicht darunter liegt, behandelt «War zuverlässig».

Praxisbeispiel

Ein Polymechaniker EFZ liess statt einer besseren Formulierung ein Ergebnis eintragen: die Umstellung einer Vorrichtung, die er selbst vorgeschlagen hatte. Die Bewertung blieb gleich, das Zeugnis wirkte anders. Welche Stufe eine Bewertung markiert, erklärt Zeugnisnote verstehen; welche Formulierungen daneben auffallen, sammelt die Liste der Warnzeichen.

Der Sonderfall «bemüht»

Kein Wort in der Zeugnissprache hat einen so schlechten Ruf, und in vielen Fällen zu Recht: «Bemüht» beschreibt eine Anstrengung und lässt den Erfolg offen. Wer sich bemüht hat, hat es versucht, und die Leserin ergänzt automatisch, dass es sonst anders formuliert worden wäre. Der Umkehrschluss braucht dafür kein Vorwissen; er stellt sich beim Lesen von selbst ein.

«Herr Kohler war stets bemüht, die ihm übertragenen Aufgaben sorgfältig zu erledigen.»
Bemüht im Leistungssatz

Hier steht das Wort an der ungünstigsten Stelle überhaupt: dort, wo eine Bewertung der Arbeit stehen müsste. Der Satz sagt, dass die Absicht bestand, und schweigt zum Ergebnis. In einem sonst sorgfältig geschriebenen Zeugnis ist das ein deutlicher Befund.

«Herr Kohler war zudem bemüht, sich in die neue Steuerungssoftware einzuarbeiten, und besuchte dazu berufsbegleitend zwei Kurse.»
Bemüht an harmloser Stelle

Dasselbe Wort in einem völlig anderen Zusammenhang: Es beschreibt eine zusätzliche Anstrengung neben der eigentlichen Arbeit, und die besuchten Kurse belegen sie. Hier ist «bemüht» sprachlich naheliegend und kein Signal.

Dieser Unterschied ist der Grund, warum Wortlisten bei diesem Begriff besonders oft in die Irre führen. Entscheidend ist nicht, ob das Wort vorkommt, sondern an welcher Stelle es steht. Steht es im Leistungssatz, lohnt eine Nachfrage. Steht es bei einer Weiterbildung, einem Sonderprojekt oder einer freiwilligen Zusatzaufgabe, ist es unauffällig. Wie solche Deutungsfehler entstehen, behandelt Geheimsprache im Arbeitszeugnis.

Wann der Satz harmlos ist

Auch bei «zeigte Initiative» entscheidet die Umgebung. Drei Konstellationen machen den Satz unproblematisch, und sie kommen häufiger vor als der Sonderfall, um den sich die meisten sorgen.

Drei harmlose und eine auffällige Konstellation
KonstellationWie sie gelesen wirdWas zu tun ist
daneben stehen benannte ErgebnisseInitiative als Zusammenfassungnichts – alles in Ordnung
ausführende Stelle ohne SpielraumInitiative als freiwilliges Extranichts – passend zur Funktion
kurze Anstellungwenig Zeit für Ergebnissenichts – realistisch
mehrjährige Stelle mit Spielraum, kein Ergebnis genanntAbsicht ohne WirkungErgänzung erbitten

Die letzte Zeile ist der Fall, für den dieser Abschnitt geschrieben ist, und sie kommt seltener vor, als die Sorge darüber vermuten lässt. Wenn Ihre Stelle über Jahre Gestaltungsspielraum bot und im ganzen Zeugnis kein einziges Ergebnis benannt wird, liegt dort die Lücke, und nicht in der Wortwahl des Initiativsatzes.

Drei Fragen, die den Befund klären Nur eine Kombination ergibt einen Befund 1 Bot die Stelle Gestaltungsspielraum? nein: der Satz ist ohnehin eine freiwillige Zugabe 2 Dauerte die Anstellung länger als ein Jahr? nein: für Ergebnisse blieb realistisch zu wenig Zeit 3 Wird irgendwo im Text ein Ergebnis benannt? ja: der Initiativsatz fasst nur zusammen – alles in Ordnung ja – ja – nein: hier lohnt die Ergänzung
Drei Fragen, keine Minute Aufwand. Nur die unterste Zeile ist ein Grund, den Betrieb anzuschreiben.

Wie ein Ergebnis formuliert wird

Ein gutes Ergebnis im Zeugnis besteht aus drei Teilen: der Handlung, dem Gegenstand und – wo möglich – einer Grösse. Mehr braucht es nicht, und mehr sollte auch nicht darin stehen; ausschmückende Zusätze schwächen den Satz eher, als sie ihn stärken. Ein Ergebnissatz mit drei Adjektiven wirkt bemüht, ein nüchterner mit einer Zahl wirkt souverän.

Die drei Bausteine eines Ergebnissatzes Verb + Gegenstand + Grösse Verb führte ein, baute auf, stellte um Gegenstand was genau verändert wurde Grösse Dauer, Anzahl, Umfang Drei fertige Beispiele «stellte die Zeichnungsablage auf das neue System um und begleitete die Einführung acht Monate» «baute die wöchentliche Qualitätskontrolle auf, die seither unverändert durchgeführt wird» «führte die Einarbeitungsunterlagen für neue Mitarbeitende ein und hielt sie laufend nach»
Alle drei Beispielsätze kommen ohne ein einziges lobendes Adjektiv aus. Genau das macht sie stark.
Aus der Praxis Wenn wir jemanden bitten, ein Ergebnis aus seiner Zeit im Betrieb zu nennen, kommt die Antwort fast immer, und fast immer steht sie nicht im Zeugnis. Das liegt nicht an Missgunst, sondern daran, dass die schreibende Person andere Prioritäten hatte, als sie den Text verfasste.

Sachlich ergänzen lassen

Die Bitte ist unter allen Zeugnisbitten eine der einfachsten, weil sie nichts bewertet. Sie melden eine Tatsache nach, die im Betrieb bekannt ist, und Sie lassen den bestehenden Satz ausdrücklich stehen.

Führt zur Diskussion

«‚Zeigte Initiative‘ klingt schwach. Ich hätte gern eine stärkere Formulierung, die meiner Arbeit gerecht wird.»

Führt zur Ergänzung

«Ich bitte Sie um folgenden Zusatz nach dem bestehenden Satz: ‚… so stellte er die Zeichnungsablage auf das neue System um und begleitete die Einführung während acht Monaten.‘ Der übrige Text kann unverändert bleiben.»

Setzen Sie eine Frist von zwei bis drei Wochen und richten Sie die Bitte an die Person, die unterschrieben hat. Nennen Sie in Ihrer Bitte höchstens zwei Ergebnisse – eine kurze Liste wird eher übernommen als eine lange, und die zwei stärksten wirken mehr als fünf mittlere. Wählen Sie dabei jene aus, die sich am leichtesten belegen lassen und die noch niemand im Betrieb vergessen hat. Wie ein solches Schreiben aufgebaut wird, zeigt Arbeitszeugnis korrigieren lassen.

Das sehen Schweizer HR täglich

Ein benanntes Ergebnis ist in einem Bewerbungsgespräch der beste Anknüpfungspunkt, den ein Zeugnis liefern kann. Es gibt der Gesprächsführung eine Frage vor, und Ihnen die Gelegenheit, eine Geschichte zu erzählen, die Sie ohnehin gut kennen.

Wenn die Ergänzung abgelehnt wird

Fragen Sie einmal nach dem Grund. Wird ein Ergebnis bestritten, das aus Ihrer Sicht feststeht, helfen Belege: Protokolle, Projektunterlagen, E-Mails aus der damaligen Zeit. Bleibt jede Reaktion aus, führt der Weg zur Schlichtungsbehörde Ihres Kantons; das Verfahren in arbeitsrechtlichen Streitigkeiten ist in aller Regel kostenlos. Über die Formulierung des Initiativsatzes selbst sollten Sie dagegen nicht streiten.

Ihr Anspruch und seine Grenze

Grundlage ist Art. 330a OR: Das Zeugnis spricht sich über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über Leistung und Verhalten aus. Ein tatsächlich durchgeführtes Projekt gehört zur «Art» Ihrer Tätigkeit – seine Aufnahme ist damit eine Frage der Vollständigkeit und nicht des Wohlwollens.

Einen Anspruch auf einen bestimmten Wortlaut haben Sie nicht. Verdeckte Abwertungen sind unzulässig, weil Art. 328 OR Ihre Persönlichkeit schützt. Achten Sie bei der Nennung von Projekten auf Ihre Geheimhaltungspflicht nach Art. 321a Abs. 4 OR: Interne Kennzahlen und Kundennamen gehören nicht in ein Zeugnis, das Sie an Dritte weitergeben. Für die Verjährung gilt Art. 128 Ziff. 3 OR mit fünf Jahren; ein Gesamtarbeitsvertrag kann günstigere Regeln enthalten.

Aus der Praxis Eine Marketingfachfrau mit eidgenössischem Fachausweis liess zwei Ergebnisse nachtragen und strich dafür von sich aus eine Aufzählung von Eigenschaften. Das Zeugnis wurde dadurch kürzer, und deutlich aussagekräftiger.

Handlungssätze prüfen lassen

Dafür müssen Sie nicht auf eine andere Seite wechseln. Zeugnis hochladen, mehr braucht es nicht. Die Auswertung kommt als PDF und Word-Datei per E-Mail.

1Anfrage stellenZeugnis hochladen, E-Mail eintragen, fertig.
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3Auffälligkeiten und DownloadsNotenstufe, offene Stellen, dazu PDF und Word-Datei.
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Übertragung verschlüsselt, Unterlagen vertraulich behandelt.
Stufe für Stufe eingeordnetSie erfahren, auf welcher Stufe die Handlungssätze in Ihrem Zeugnis liegen, wo ein Ergebnis fehlt und welcher Zusatz sich zuerst lohnt.
Formulierungen im KlartextJede bewertende Stelle wird übersetzt, in Alltagssprache statt Zeugnisdeutsch.
Notenstufe eingeordnetWo Ihr Zeugnis auf der Skala steht – und woran das im Text festgemacht ist.
Konkrete ÄnderungsvorschlägeAuf Wunsch ein sachliches Schreiben an den Betrieb mit besseren Formulierungen.
Vertraulich, ohne RegistrierungNur E-Mail nötig, geschwärzte Dokumente sind erlaubt, Zugangslink 7 Tage gültig.
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Keine Rechtsberatung – CHF 19.– einmaligVerständliche Einordnung Ihres Dokuments, keine rechtliche Bewertung und keine Vertretung gegenüber dem Betrieb.

Woran sich diese Seite hält

Rechtsgrundlage
Der Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis ergibt sich aus Art. 330a OR; es spricht sich über Art und Dauer sowie über Leistung und Verhalten aus.
Geheimhaltung
Interne Kennzahlen und Kundennamen gehören nicht in ein Zeugnis. Ihre Geheimhaltungspflicht ergibt sich aus Art. 321a Abs. 4 OR.
Wahrheit und Wohlwollen
Ein Zeugnis muss wahr und zugleich wohlwollend sein; verdeckte Abwertungen sind unzulässig. Den Persönlichkeitsschutz regelt Art. 328 OR.
Woher die Skala stammt
Die Abstufung von Haltung, Handlung und Ergebnis ist eine Konvention der Personalpraxis und keine Rechtsregel. Sie beschreibt die Lesewirkung.
Frist
Forderungen aus dem Arbeitsverhältnis verjähren nach fünf Jahren gemäss Art. 128 Ziff. 3 OR. Ein Gesamtarbeitsvertrag kann günstigere Regeln enthalten.
Für wen diese Seite ist
Für Angestellte in der Schweiz, deren Zeugnis Engagement beschreibt und nicht sagt, was daraus geworden ist.
Diese Seite bietet eine allgemeine Einordnung von Zeugnisformulierungen und ersetzt keine Rechtsberatung. Sie beinhaltet keine Vertretung gegenüber dem Arbeitgeber und keine verbindliche rechtliche Bewertung des Einzelfalls. Ob eine Formulierung im konkreten Fall bewusst gewählt wurde, lässt sich aus dem Text allein nicht sicher beantworten. Bei rechtlichen Streitfragen wenden Sie sich an die kantonale Schlichtungsbehörde oder an eine Anwältin oder einen Anwalt.

Häufige Fragen

Was bedeutet «zeigte Initiative» im Arbeitszeugnis?

Der Satz sagt, dass jemand von sich aus tätig wurde. Er sagt nichts darüber, was daraus entstand. Erst wenn ein Ergebnis daneben steht – ein eingeführter Ablauf, ein übernommenes Projekt, eine gelöste Aufgabe – wird aus der Absicht eine Leistung.

Ist «zeigte Interesse» dasselbe wie «zeigte Initiative»?

Nein, und der Unterschied ist deutlich. Interesse beschreibt eine innere Haltung ohne Handlung, Initiative eine Handlung ohne Ergebnis. Beide liegen unter einer Formulierung, die ein Ergebnis nennt – Interesse deutlich weiter unten.

Warum gelten Absichtswörter als schwaches Lob?

Weil sie beschreiben, was jemand wollte, statt was er erreicht hat. In der Zeugnissprache gilt eine einfache Regel: Je näher eine Formulierung am Ergebnis liegt, desto stärker wirkt sie. Absichtswörter liegen am weitesten davon entfernt.

Muss ich mir Sorgen machen, wenn «bemüht» im Text steht?

«Bemüht» ist das schwächste Wort dieser Gruppe, weil es eine Anstrengung ohne Erfolg beschreibt. Es sollte trotzdem im Zusammenhang gelesen werden: In einem sonst vollständigen und gut bewerteten Zeugnis kann es an einer harmlosen Stelle stehen, etwa bei einer Weiterbildung.

Wie lasse ich eine solche Formulierung verbessern?

Nicht durch ein anderes Adjektiv, sondern durch ein Ergebnis. Nennen Sie, was aus Ihrer Initiative entstanden ist, und liefern Sie den Satz fertig mit. Das ist eine Tatsachenangabe und deshalb leichter zu erbitten als eine bessere Bewertung.

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